Neustart

Presseinformation zur Wiedereröffnung am 19. Oktober 2026

Mutter-Kind-Einrichtung nimmt Betrieb wieder auf

Nach der Tragödie im Juni: Kiara Lindner führt das Erbe ihrer Mutter weiter

Stade. Die Stethu GmbH nimmt ihre Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade, die im Juni Schauplatz einer Bluttat mit sechs Toten war, wieder in Betrieb. Gesellschafterin Kiara Lindner und Landrat Kai Seefried durchschnitten am Montagmittag symbolisch ein rotes Band. Bereits in den nächsten Tagen sollen in das umfassend renovierte Gebäude wieder Mütter mit ihren Kindern einziehen, um dort von pädagogischen Fachkräften betreut und begleitet zu werden.

Bereits unmittelbar nach der Tat vom 29. Juni dieses Jahres, bei der auch die Gründerin und bisherige Geschäftsführerin der Stethu GmbH, Ilka Lindner, ermordet wurde, „war uns allen wichtig, dass unser Angebot aufrechterhalten bleibt“, sagte Geschäftsführer Heiner Böckmann bei einer Pressekonferenz anlässlich der Wiedereröffnung. So seien die beiden weiteren Einrichtungen der Stethu GmbH, ein Kinderschutzhaus und eine teilstationäre Mutter-Kind-Einrichtung, durchgehend in Betrieb geblieben.

Unterdessen sei das vollstationäre Angebot in der Dankersstraße neu aufgestellt worden. „Mit einem engagierten, motivierten und fachlich qualifizierten Team blicken wir nun voller Zuversicht auf den Neustart und freuen uns darauf, Mütter und ihre Kinder wieder in einem geschützten und unterstützenden Umfeld begleiten zu dürfen“, sagte Böckmann. Zu den Veränderungen gehöre auch ein neues Sicherheitskonzept.

„Uns ist bewusst, dass das Haus in der Dankersstraße durch die Tat vom 29. Juni für immer mit einem tragischen Ereignis verbunden bleibt“, sagte Alleingesellschafterin Kiara Lindner, die Tochter der getöteten Stethu-Gründerin. „Das wollen wir nicht verdrängen.“ Die 21-Jährige, die im Familienbetrieb aufgewachsen ist, studiert Soziale Arbeit.

Für die Entscheidung, am bisherigen Standort festzuhalten, gebe es mehrere Gründe. Die Jugendämter benötigten dringend geeignete Betreuungsplätze für Mütter und Kinder. Entsprechend groß sei die Nachfrage nach einer zeitnahen Wiedereröffnung gewesen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die enge Vernetzung der Einrichtung in Stade. „Das Haus ist auf unser pädagogisches Betreuungskonzept ausgerichtet“, sagte Lindner. Auch die bereits bestehende Betriebserlaubnis sei von Vorteil. An einem anderen Standort hätte zunächst ein neues Genehmigungsverfahren eingeleitet werden müssen.

„Für uns als Team war sehr schnell klar: Wir wollen an diesen Standort zurück. Alle Kolleginnen und Kollegen haben sich für eine möglichst schnelle Wiedereröffnung ausgesprochen“, berichtete Vanessa Stabel, eine der pädagogischen Leiterinnen. „In vielen Gesprächen fiel dabei ein Satz, der unsere gemeinsame Haltung besonders gut beschreibt: ‚Jetzt erst recht!‘ Wir dürfen nicht zulassen, dass diese schreckliche Tat die Zukunft einer so wertvollen Einrichtung zerstört.“

Die Einrichtung biete Müttern mit ihren Kindern nahezu ideale Bedingungen. Das Haus sei auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und ihrer Kinder zugeschnitten. „Es gibt geschützte Rückzugsräume, aber auch große Gemeinschaftsbereiche für Mutter und Kind, in denen Begegnungen stattfinden und Kinder miteinander spielen können.“ Hinzu kämen die Lage in einem ruhigen Wohngebiet, die Nähe zur Innenstadt und die hohe Akzeptanz in der Nachbarschaft. All das seien wertvolle Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit.

Ziel der Einrichtung sei es, Müttern und Kindern ein geschütztes Umfeld zu bieten, in dem sie Sicherheit, Unterstützung und neue Perspektiven finden können. Die Aufnahme neuer Bewohnerinnen und ihrer Kinder solle zeitnah erfolgen. Das pädagogische Konzept bleibe unverändert. „Wir setzen auf die Verlässlichkeit und die Erfahrung unseres professionellen Teams“, sagte Stabel.

Am Stethu-Standort in der Dankersstraße arbeiten rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt die 1999 gegründete Gesellschaft etwa 45 Menschen. Die Belegschaft werde weiterhin therapeutisch begleitet. Auch mit den künftigen Bewohnerinnen und ihren Kindern solle sensibel mit der Vergangenheit des Hauses umgegangen werden. „Wir werden mit den Frauen und Kindern offen, behutsam und professionell darüber sprechen und sie bei der Verarbeitung ihrer Sorgen begleiten“, erklärte Stabel.

„Wir wissen um die gute Arbeit, die hier geleistet wird“, sagte Landrat Kai Seefried anlässlich der Wiedereröffnung. Der Chef der Kreisverwaltung und höchste politische Repräsentant des Landkreises Stade überreichte Stethu-Gesellschafterin Kiara Lindner einen Schutzengel – „symbolisch für die Schutzengel, die hier im Haus arbeiten“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stethu seien „Schutzengel für Mütter, Kinder und Jugendliche“.

Zum ersten Jahrestag der Bluttat am 29. Juni 2027 soll unter der Schirmherrschaft des Landrats eine Stiftung zu Ehren der getöteten Stethu-Gründerin Ilka Lindner ins Leben gerufen werden. Seefried würdigte das Lebenswerk der Verstorbenen: „Sie hat sich Zeit ihres Lebens besonders um den Schutz von Familien und Kindern verdient gemacht.“

Presseanfragen:

Wolfgang Stephan

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